Tranlampe

Tranlampe

Schon wieder befinden wir uns in der dunklen Jahreszeit. Das nun wieder verstärkt auftretende Schmuddelwetter und die Winde sorgen dafür, dass es in der heimischen Stube bei Kerzenschein und Ofenwärme erst so richtig gemütlich wird. Das war in den vergangenen Jahrhunderten nicht anders – nur die Möglichkeiten, die Räume zu erhellen und erwärmen waren weitaus komplexer und kostenintensiver. So wurden nur einzelne Räume im Haus mühevoll aufgewärmt, die anderen blieben kalt. Das künstliche Licht hat seinen Ursprung im Feuer.

Die drei großen Kulturleistungen des Feuers für die frühe Menschheit sind das Kochen, das Heizen und das Leuchten. Dafür stand ursprünglich das ungeteilte Feuer, um das sich die Menschen bei Einbruch der Dunkelheit versammelten. Diese Einheit löste sich im Laufe der Kulturentwicklung allmählich auf und ließ die Funktionen des Feuers auseinander treten. Im Altfriesischen Haus lässt sich anschaulich nachvollziehen, wie Kochen und Heizen noch eine lange Zeit verbunden blieben. Die Beleuchtung löste sich jedoch aus diesem Gesamtverband. Zunächst wurden Kienspäne und Holzscheite genutzt, um das Licht mobil zu machen. Professionalisiert wurde diese Art der Beleuchtung durch den Einsatz von Harz und Pech. Bis die Kerze und Öllampe kam.

2009-100: Tranlampe aus dem frühen 19. Jahrhundert

Die Tranlampe aus dem 18. Jahrhundert, gehört zu diesen Lampen, die im 17. und 18. Jahrhundert gern genutzt wurden, um Licht in die Stube zu bringen.
Der Walfang entwickelte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einem lukrativen Wirtschaftszweig, wovon die Friesen durch Arbeitsplätze und die damit verbundene Vergütung profitierten. In der vorindustriellen Zeit waren die Tiere Lieferanten der wichtigsten organischen Rohstoffe. Bis ins 18. Jahrhundert hinein, war es vor allem die Speckschicht, die Verwendung fand. Der größte Bartenwal, der Blauwal, lieferte bis zu 30 Tonnen Öl pro Tier! Um den Tran zu gewinnen, mussten die aus dem Walkörper geschnittenen Speckstücke ausgelassen werden. Später wurden auch Seehunde totgeschlagen, um deren Fett zu gewinnen. Mehrere Stunden wurden der Walblubber n einem Transiedekessel über dem Feuer ausgekocht, dann abgeseiht und in abgekühltem Zustand in Fässer gefüllt. Zu Beginn geschah dies noch auf den Walfängerschiffen oder in den Buchten direkt vor Spitzbergen. Dies war jedoch wegen der Brandgefahr auf den Schiffen äußerst riskant und sorgte bei einigen Walfängern dafür, dass sie ihren Heimathafen nicht mehr anlaufen konnten und für immer und ewig in der See blieben. Um das Feuer in den Buchten zu entfachen, musste zunächst Brennmaterial dorthin geschafft werden, was sehr aufwendig war. Daher etablierten sich in direkter Nähe zu den Heimathäfen die Trankochereien. Die inzwischen schon teils verwesten Speckscheiben wurden in diesen Brennereien ausgekocht, wobei ein unerträglicher Gestank entstand. Die optimale Lösung gab es wohl nicht. Lukrativ war es jedoch allemal.

Waltrankocherei-1671-Martens-Friedrich: Druck von Friedrich Martens, 1671. Dargestellt ist eine Trankocherei in der Bucht von Spitzbergen.

Das Öl aber war für die Gesellschaft essentiell und gehörte fortan zum täglichen Bedarf. Es diente verstärkt als Maschinenschmierstoff uns insbesondere als Lichtquelle, da es kostengünstiger als Talgkerzen war. Neben den Wohnräumen wurden mit dem Öl ganze Straßenzüge erhellt.

Im Altfriesischen Haus befinden sich gleich zwei unterschiedliche Modelle von Tranlampen. Beides sind Dochtlampen. Das offene eiserne Schälchen der einfachen Tranfunzel wird mit Tranöl aufgefüllt. Mit dem inneliegenden Docht aus Binsenmark, später auch aus Baumwolle, wird das Licht entzündet. Das Licht bleibt jedoch sehr gering und gemessen an der Energie, die insgesamt verbrannt wird, ist die Lichtausbeute erschreckend gering. Das gilt für alle Öllampen, die tierische Fette verbrennen. Hinzu kommt noch die Qualität des Fettes. Fette mit ungesättigten Fettsäuren rußen wiederum stärker, die Flamme wird dunkler und folglich das Licht schwächer als bei Fetten, die einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aufweisen. Gegenüber dem Kienspan hat die Öllampe jedoch den deutlichen Vorteil, dass Sie ein ruhigeres Licht abgibt. Das flackern und rußen ist reduziert. Außerdem ist die Brandgefahr durch das Gefäß deutlich reduziert.
Das Schälchen wurde kunstvoll an eine rund 60 cm lange Stange geschmiedet so, dass es mit einem Haken in Raumhöhe aufgehängt werden konnte und relativ sicher sein schwaches Licht verbreiten konnte.

Talg, Wachs, Fett, Öl – alles wurde verbrannt – mit unterschiedlichen Ergebnissen und Anforderungen. Bis das Petroleum im Mitte des 19. Jahrhunderts als Erdöldestillat den Markt eroberte. Der Brennwert des Petroleums ist zu dieser Zeit unschlagbar. Es ist aber auch brandgefährlicher, da es auch ohne Docht brennt und beim Verschütten so eine große Gefahr in sich birgt. Waltran wurde noch bis ins 20. Jahrhundert als Lampenöl benutzt.

2005-161: Tranlampe aus Messing
2005-161: Tranlampe aus Messing

Ähnlich wie die Tranfunzel funktioniert die zweite Öllampe aus Messing. An einen 20 cm langen Messingstab hängt am Ende ein bauchiger Behälter mit drei Seitenöffnungen. Das Öl wird von oben eingefüllt und ebenfalls über darin liegendes Dochtmaterial zum schwachen Leuchten gebracht. Das Feuer leuchtet nun an den Seitenöffnungen heraus.
Um die Sache rund zu bekommen, zeigen wir Ihnen in der Kööken (Küche) des Altfriesischen Hauses auch ein hölzernes Kerzenständergestell mit 30 Löcher für die metallenen und gläsernen Gussröhren. In diesem wurden die Kerzen aus Hammeltalg hergestellt.

Tranlampe
Inventarnummer: 2012-218
Datierung: Frühes 19. Jahrhundert
Material: Eisen
Maße: d: 12 cm l: 60 cm
Technik: Schmiedetechnik
Hersteller: unbekannt
Standort: Altfriesisches Haus

Mikado Spiel

Mikado Spiel

Das Spiel aus der weiten Welt

Wer kennt die vier Jungs, genauer gesagt Männer nicht? Jan und Hein und Claas und Pit – es müssen Männer mit Bärten sein! Männer, die ranzigen Zwieback lieben, die deftige Pfeifen rauchen und die das Walross fangen. Ein Lied über Jungs, die auf Kaperfahrt fahren und scheinbar nicht so schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Der Kurs wird gehalten und am Ende ist die Beute das Ziel. Was werden Sie mitbringen, wenn Sie wieder nach Hause kommen?

Inzwischen werden die Tage wieder länger und vor über 300 Jahren wurden die Sylter Seemänner alljährlich gegen Ende Februar eines jeden Jahres in die Ferne verabschiedet – vielleicht nicht unbedingt zur Kaperfahrt, aber irgendwie war die Walfang auch eine Art Beutezug. Das Objekt des Monats Februar, das Mikado Spiel, muss von ebensolch einer Reise stammen.
Dieses Mikado behauptet seine Andersartigkeit auf verschiedenen Wegen. Zunächst besteht aus nur 22 aufwendig hergestellten Stäben. Alle sind unterschiedlich und teils äußerst filigran ausgearbeitet. Üblich sind beim Mikado 41 Stäben in einer Länge von 18 cm und normalerweise gleicht ein Stab dem anderen. Das Sylter Mikado misst 10 cm. Routinierten Mikadospieler verlangen diese Elfenbeinstäbe wohl einiges an Phantasie ab. Geschicklichkeit ist sicherlich der richtige Kurs, der beim Spiel benötigt wird, um den Gegenspieler den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Besondere an dem Mikado ist aber, dass es einmalig ist und wenn überhaupt nur wenige gleichwertige Exemplare noch existieren.

Standardausrüstung im Miniaturformat

Betrachtet man die geschnitzten Stäbe genauer, lassen sich einige Formen und Parallelen zu Gerätschaften der Seefahrt bzw. Walfang erkennen. Enterhaken, Lanzen, Widerhaken, Harpune, Fass, Speck- und Flensmesser, Axt und Schaufel – all diese Dinge zählten zur Standard Ausrüstung eines Walfangschiffes.

Erscheint uns heute diese Gestaltung und Wahl des Materials als originell, so war es zu Zeiten des Walfanges eher eine elegante und geistreiche Notlösung. Weite Strecken waren die Seemänner unterwegs, Walfisch, Pottwal und Walross lieferten den Seemännern das Elfenbein. An Bord der Schiffe konnten sie die Knochen und Zähne verarbeiten. Es entstanden dabei Scrimshaws oder eben dieses Mikado. Sie gravierten und schnitzten mit einfachen Nadeln und Messern das Material. Dass die Gravuren sichtbar wurden, rieben sie diese mit Ruß ein. So saßen dann Jan, Hein, Claas und Pit an Deck und spielten Mikado?


Bis Mitte des 18. Jahrhunderts heuerten die Sylter Friesen auf hamburger und niederländischen Walfischfängern an. Auch der Sylter C.P. Hansen hat in seinen Chroniken eindrucksvoll dargelegt, welche Beute (Fälle, Tran) auf den Fahrten gemacht wurde. Aber auch woher die Besatzung kam. Demnach stellten die Inselfriesen 1673 rund drei bis viertausend Seemänner. Darunter fanden sich Speckschneider, Harpunierer, Boots- und Steuermänner oder Kommandeure.

Die Hamburger Schiffe waren fast ganz mit Nordfriesen besetzt. Ein Drittel aller Kommandeure waren Sylter, ein weiteres Drittel Föhrer, wobei die Föhrer meist die holländischen Schiffe bevorzugten. Über 20 Kommandeure kamen von Sylt. Föhr übertraf dies deutlich mit 50. Überhaupt, stellten die Föhrer unter den Friesen die größte Anzahl von Seeleuten. Den Friesen eilte auch ein äußerst guter Ruf voraus: „Sie wurden überall gern gesehen, weil sie sich immer mehr auszeichneten durch ihre Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit und Ausdauer in der Seefahrerwelt, in den Seestädten und auf den Meeren Europas einen seltenen Ruf erwarben“.

Biike und Petritag der Inselfriesen

Nach dem Petritag segelten die Insulaner in Gruppen von 50-100 Mann auf kleinen Schmackschiffen (Küstensegler) nach Holland und Hamburg. Zuvor, am 21. Februar leuchteten ringsum auf den Inseln die Biikefeuer der Friesen. „Die Sylter Bieken wurden zuerst angezündet, dann die der Umgebung; von Eiland zu Eiland lohten sie zum Himmel auf. […] Zur Zeit der Grönlandfahrer waren sie das Abschiedssignal, das lodernde Zeichen zu neuen Sturmfahrten, Abenteuern, Gefahren und Reichtümern. Der darauffolgende Petritag war das Nationalfest der Insulaner, da wurde ,Volksding‘ gehalten, auf welchem Gesetze und Verbote verkündet wurden; aber auch dem Essen, Trunk, Spiel und Tanz huldigte man dann oft bis zum Übermaß. Sobald nun ein günstiger Wind wehte, nahm man Abschied von Weib und Kindern, Freunden und Bekannten.“

Und vielleicht brachte Claas bei seiner Rückkehr, als Geschenk und Erinnerung an seine Abenteuer, seinen Kindern das Mikado mit!


Inventarnummer: 2009-2002
Datierung:
Material: Elfenbein
Maße: 10 cm (l)
Technik: geschnitzt
Hersteller: unbekannt
Standort: Sylter Heimatmuseum