Schon wieder befinden wir uns in der dunklen Jahreszeit. Das nun wieder verstärkt auftretende Schmuddelwetter und die Winde sorgen dafür, dass es in der heimischen Stube bei Kerzenschein und Ofenwärme erst so richtig gemütlich wird. Das war in den vergangenen Jahrhunderten nicht anders – nur die Möglichkeiten, die Räume zu erhellen und erwärmen waren weitaus komplexer und kostenintensiver. So wurden nur einzelne Räume im Haus mühevoll aufgewärmt, die anderen blieben kalt. Das künstliche Licht hat seinen Ursprung im Feuer.
Die drei großen Kulturleistungen des Feuers für die frühe Menschheit sind das Kochen, das Heizen und das Leuchten. Dafür stand ursprünglich das ungeteilte Feuer, um das sich die Menschen bei Einbruch der Dunkelheit versammelten. Diese Einheit löste sich im Laufe der Kulturentwicklung allmählich auf und ließ die Funktionen des Feuers auseinander treten. Im Altfriesischen Haus lässt sich anschaulich nachvollziehen, wie Kochen und Heizen noch eine lange Zeit verbunden blieben. Die Beleuchtung löste sich jedoch aus diesem Gesamtverband. Zunächst wurden Kienspäne und Holzscheite genutzt, um das Licht mobil zu machen. Professionalisiert wurde diese Art der Beleuchtung durch den Einsatz von Harz und Pech. Bis die Kerze und Öllampe kam.
2009-100: Tranlampe aus dem frühen 19. Jahrhundert
Die Tranlampe aus dem 18. Jahrhundert, gehört zu diesen Lampen, die im 17. und 18. Jahrhundert gern genutzt wurden, um Licht in die Stube zu bringen. Der Walfang entwickelte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einem lukrativen Wirtschaftszweig, wovon die Friesen durch Arbeitsplätze und die damit verbundene Vergütung profitierten. In der vorindustriellen Zeit waren die Tiere Lieferanten der wichtigsten organischen Rohstoffe. Bis ins 18. Jahrhundert hinein, war es vor allem die Speckschicht, die Verwendung fand. Der größte Bartenwal, der Blauwal, lieferte bis zu 30 Tonnen Öl pro Tier! Um den Tran zu gewinnen, mussten die aus dem Walkörper geschnittenen Speckstücke ausgelassen werden. Später wurden auch Seehunde totgeschlagen, um deren Fett zu gewinnen. Mehrere Stunden wurden der Walblubber n einem Transiedekessel über dem Feuer ausgekocht, dann abgeseiht und in abgekühltem Zustand in Fässer gefüllt. Zu Beginn geschah dies noch auf den Walfängerschiffen oder in den Buchten direkt vor Spitzbergen. Dies war jedoch wegen der Brandgefahr auf den Schiffen äußerst riskant und sorgte bei einigen Walfängern dafür, dass sie ihren Heimathafen nicht mehr anlaufen konnten und für immer und ewig in der See blieben. Um das Feuer in den Buchten zu entfachen, musste zunächst Brennmaterial dorthin geschafft werden, was sehr aufwendig war. Daher etablierten sich in direkter Nähe zu den Heimathäfen die Trankochereien. Die inzwischen schon teils verwesten Speckscheiben wurden in diesen Brennereien ausgekocht, wobei ein unerträglicher Gestank entstand. Die optimale Lösung gab es wohl nicht. Lukrativ war es jedoch allemal.
Waltrankocherei-1671-Martens-Friedrich: Druck von Friedrich Martens, 1671. Dargestellt ist eine Trankocherei in der Bucht von Spitzbergen.
Das Öl aber war für die Gesellschaft essentiell und gehörte fortan zum täglichen Bedarf. Es diente verstärkt als Maschinenschmierstoff uns insbesondere als Lichtquelle, da es kostengünstiger als Talgkerzen war. Neben den Wohnräumen wurden mit dem Öl ganze Straßenzüge erhellt.
Im Altfriesischen Haus befinden sich gleich zwei unterschiedliche Modelle von Tranlampen. Beides sind Dochtlampen. Das offene eiserne Schälchen der einfachen Tranfunzel wird mit Tranöl aufgefüllt. Mit dem inneliegenden Docht aus Binsenmark, später auch aus Baumwolle, wird das Licht entzündet. Das Licht bleibt jedoch sehr gering und gemessen an der Energie, die insgesamt verbrannt wird, ist die Lichtausbeute erschreckend gering. Das gilt für alle Öllampen, die tierische Fette verbrennen. Hinzu kommt noch die Qualität des Fettes. Fette mit ungesättigten Fettsäuren rußen wiederum stärker, die Flamme wird dunkler und folglich das Licht schwächer als bei Fetten, die einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aufweisen. Gegenüber dem Kienspan hat die Öllampe jedoch den deutlichen Vorteil, dass Sie ein ruhigeres Licht abgibt. Das flackern und rußen ist reduziert. Außerdem ist die Brandgefahr durch das Gefäß deutlich reduziert. Das Schälchen wurde kunstvoll an eine rund 60 cm lange Stange geschmiedet so, dass es mit einem Haken in Raumhöhe aufgehängt werden konnte und relativ sicher sein schwaches Licht verbreiten konnte.
Talg, Wachs, Fett, Öl – alles wurde verbrannt – mit unterschiedlichen Ergebnissen und Anforderungen. Bis das Petroleum im Mitte des 19. Jahrhunderts als Erdöldestillat den Markt eroberte. Der Brennwert des Petroleums ist zu dieser Zeit unschlagbar. Es ist aber auch brandgefährlicher, da es auch ohne Docht brennt und beim Verschütten so eine große Gefahr in sich birgt. Waltran wurde noch bis ins 20. Jahrhundert als Lampenöl benutzt.
2005-161: Tranlampe aus Messing
Ähnlich wie die Tranfunzel funktioniert die zweite Öllampe aus Messing. An einen 20 cm langen Messingstab hängt am Ende ein bauchiger Behälter mit drei Seitenöffnungen. Das Öl wird von oben eingefüllt und ebenfalls über darin liegendes Dochtmaterial zum schwachen Leuchten gebracht. Das Feuer leuchtet nun an den Seitenöffnungen heraus. Um die Sache rund zu bekommen, zeigen wir Ihnen in der Kööken (Küche) des Altfriesischen Hauses auch ein hölzernes Kerzenständergestell mit 30 Löcher für die metallenen und gläsernen Gussröhren. In diesem wurden die Kerzen aus Hammeltalg hergestellt.
Tranlampe Inventarnummer: 2012-218 Datierung: Frühes 19. Jahrhundert Material: Eisen Maße: d: 12 cm l: 60 cm Technik: Schmiedetechnik Hersteller: unbekannt Standort: Altfriesisches Haus
Wer kennt die vier Jungs, genauer gesagt Männer nicht? Jan und Hein und Claas und Pit – es müssen Männer mit Bärten sein! Männer, die ranzigen Zwieback lieben, die deftige Pfeifen rauchen und die das Walross fangen. Ein Lied über Jungs, die auf Kaperfahrt fahren und scheinbar nicht so schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Der Kurs wird gehalten und am Ende ist die Beute das Ziel. Was werden Sie mitbringen, wenn Sie wieder nach Hause kommen?
Inzwischen werden die Tage wieder länger und vor über 300 Jahren wurden die Sylter Seemänner alljährlich gegen Ende Februar eines jeden Jahres in die Ferne verabschiedet – vielleicht nicht unbedingt zur Kaperfahrt, aber irgendwie war die Walfang auch eine Art Beutezug. Das Objekt des Monats Februar, das Mikado Spiel, muss von ebensolch einer Reise stammen. Dieses Mikado behauptet seine Andersartigkeit auf verschiedenen Wegen. Zunächst besteht aus nur 22 aufwendig hergestellten Stäben. Alle sind unterschiedlich und teils äußerst filigran ausgearbeitet. Üblich sind beim Mikado 41 Stäben in einer Länge von 18 cm und normalerweise gleicht ein Stab dem anderen. Das Sylter Mikado misst 10 cm. Routinierten Mikadospieler verlangen diese Elfenbeinstäbe wohl einiges an Phantasie ab. Geschicklichkeit ist sicherlich der richtige Kurs, der beim Spiel benötigt wird, um den Gegenspieler den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Besondere an dem Mikado ist aber, dass es einmalig ist und wenn überhaupt nur wenige gleichwertige Exemplare noch existieren.
Standardausrüstung im Miniaturformat
Betrachtet man die geschnitzten Stäbe genauer, lassen sich einige Formen und Parallelen zu Gerätschaften der Seefahrt bzw. Walfang erkennen. Enterhaken, Lanzen, Widerhaken, Harpune, Fass, Speck- und Flensmesser, Axt und Schaufel – all diese Dinge zählten zur Standard Ausrüstung eines Walfangschiffes.
Erscheint uns heute diese Gestaltung und Wahl des Materials als originell, so war es zu Zeiten des Walfanges eher eine elegante und geistreiche Notlösung. Weite Strecken waren die Seemänner unterwegs, Walfisch, Pottwal und Walross lieferten den Seemännern das Elfenbein. An Bord der Schiffe konnten sie die Knochen und Zähne verarbeiten. Es entstanden dabei Scrimshaws oder eben dieses Mikado. Sie gravierten und schnitzten mit einfachen Nadeln und Messern das Material. Dass die Gravuren sichtbar wurden, rieben sie diese mit Ruß ein. So saßen dann Jan, Hein, Claas und Pit an Deck und spielten Mikado?
Bis Mitte des 18. Jahrhunderts heuerten die Sylter Friesen auf hamburger und niederländischen Walfischfängern an. Auch der Sylter C.P. Hansen hat in seinen Chroniken eindrucksvoll dargelegt, welche Beute (Fälle, Tran) auf den Fahrten gemacht wurde. Aber auch woher die Besatzung kam. Demnach stellten die Inselfriesen 1673 rund drei bis viertausend Seemänner. Darunter fanden sich Speckschneider, Harpunierer, Boots- und Steuermänner oder Kommandeure.
Die Hamburger Schiffe waren fast ganz mit Nordfriesen besetzt. Ein Drittel aller Kommandeure waren Sylter, ein weiteres Drittel Föhrer, wobei die Föhrer meist die holländischen Schiffe bevorzugten. Über 20 Kommandeure kamen von Sylt. Föhr übertraf dies deutlich mit 50. Überhaupt, stellten die Föhrer unter den Friesen die größte Anzahl von Seeleuten. Den Friesen eilte auch ein äußerst guter Ruf voraus: „Sie wurden überall gern gesehen, weil sie sich immer mehr auszeichneten durch ihre Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit und Ausdauer in der Seefahrerwelt, in den Seestädten und auf den Meeren Europas einen seltenen Ruf erwarben“.
Biike und Petritag der Inselfriesen
Nach dem Petritag segelten die Insulaner in Gruppen von 50-100 Mann auf kleinen Schmackschiffen (Küstensegler) nach Holland und Hamburg. Zuvor, am 21. Februar leuchteten ringsum auf den Inseln die Biikefeuer der Friesen. „Die Sylter Bieken wurden zuerst angezündet, dann die der Umgebung; von Eiland zu Eiland lohten sie zum Himmel auf. […] Zur Zeit der Grönlandfahrer waren sie das Abschiedssignal, das lodernde Zeichen zu neuen Sturmfahrten, Abenteuern, Gefahren und Reichtümern. Der darauffolgende Petritag war das Nationalfest der Insulaner, da wurde ,Volksding‘ gehalten, auf welchem Gesetze und Verbote verkündet wurden; aber auch dem Essen, Trunk, Spiel und Tanz huldigte man dann oft bis zum Übermaß. Sobald nun ein günstiger Wind wehte, nahm man Abschied von Weib und Kindern, Freunden und Bekannten.“
Und vielleicht brachte Claas bei seiner Rückkehr, als Geschenk und Erinnerung an seine Abenteuer, seinen Kindern das Mikado mit!
Schenkung des Gemäldes „Sommerabend auf Sylt“ von Carl O´Lynch of Town (1869-1942)
Sommerabend auf Sylt – so lautet der Titel des Neuzugangs für die kunsthistorische Sammlung des Sylt Museums. Stimmungsvoll zeigt sich das pastos aufgetragene Abendlicht am Strand vor Sylt – die untergehende Sonne schimmert durch die Wolkendecke und legt ihr Streiflicht über die See. Der zu sehende Strandabschnitt und der Buhnenverlauf verstärken zum einen diesen Lauf des Lichts und der Brandung, gleichzeitig brechen diese aber auch die Harmonie und schaffen ein Spannungsfeld das jedoch harmonisch wirkt.
Der österreichische Maler Carl O´Lynch of Town (1864-1942) mit irischen Wurzeln ist auf Sylt eher unbekannt. Umso mehr freut sich der Museumsleiter Alexander Römer, dass das Werk gemeinsam mit der Fielmann Group AG auf einer Auktion ersteigert werden konnte. O´Lynch of Town begann 1888 seine Ausbildung in der Grazer Zeichenakademie, studierte im Anschluss an der Wiener Kunstakademie und an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. München wurde sein Hauptwohnort, jedoch blieb er weiterhin auch in Österreich sehr aktiv, beteiligte sich an Ausstellungen und erhielt dort Auszeichnungen wie die Goldene Medaille der Stadt Graz. Studienreisen führten ihn in die nördlichen Küstenregionen und damit auch nach Sylt. In den gängigen Überblickswerken zur Kunstgeschichte Sylts taucht der Maler nicht auf. Dennoch, die ebenfalls aus Österreich stammenden und bedeutenden Künstler Emil Jakob Schindler und die Künstlerin Tina Blau besuchten Sylt zwischen 1892 und 1904 und zählten zum einflussreichen Künstlerkreis um O`Lynch of Town.
Die Kunsthistorikerin der Fielmann Group AG, Dr. Constanze Köster, freute sich ebenso sehr über den Erwerb. „Es ist doch immer wieder beeindruckend, welche KünstlerInnen sich auf Sylt für Studienreisen aufhielten und aus welchen Ländern und Regionen sie kamen. O`Lynch of Town zählt zu den wichtigsten steirischen Künstlern der Jahrhundertwende“, so Köster. Die Leiterin der Fielmann Niederlassung in Westerland, Claudia Borgmann, überreichte das 60 x 70 cm große Gemälde mit dem Motiv der „Abendsonne auf Sylt“an den Museumsleiter Alexander Römer und an die Vorsitzende des Trägervereins, Maren Jessen. Bevor das Gemälde nach Sylt kam, wurde es durch den Kieler Restaurator Jochen Rosehr noch aufwendig restauriert. „Dies gehört zu unserem „Rundum-Paket.
Das Ziel der Fielmann Group AG ist es, die Museen und Kulturinstitutionen in Schleswig-Holstein zu fördern und zu unterstützen. Dazu zählen auch Ankäufe und Restaurierungsarbeiten. Seit vielen Jahren fördern wir bereits jährlich die Sölring Museen, was uns große Freude bereitet und was wir auch fortführen werden, so Köster. Das Gemälde wird ab 2026 im Sylt Museum zu sehen sein.
Heute ist mal richtig Männerthema angesagt! Wussten Sie eigentlich, dass sich die Männer schon in der Steinzeit rasierten? Also vor vielen, vielen tausend Jahren. Belegen sollen dies Höhlenmalereien. Und das ganze ohne „Mach3“ oder einer Technologie, die „40.000 Schneidebewegungen pro Minute“ leistet. Es lässt sich daraus folgern, dass Rasur und Hautpflege beim Mann schon immer eine wichtige Rolle einnahmen. Sicher variierten dabei die Methoden sehr stark. Schaut man sich die Sache näher an, wie sich ein Mann in der Steinzeit sein Barthaar pflegte, stimmt unsere heutige Werbung nicht mehr ganz, wenn sie von einem Rasiererlebnis spricht. Der Steinzeitmensch hatte sich einen Stein oder eine Muschel passend gemacht. Das ruft nach einem Abenteuer. „10-D-flexibles Schersystem“ 50 Minuten kabellose Rasur, oder „wet&dry“ Rasur? Erlebnis sieht anders aus. Da bekommt der Begriff Hautirritation gleich eine ganz andere Dimension. Aus der Bronzezeit stammt neben den Höhlenmalereien vermutlich der älteste Beweis des Rasierens. Eine alte Rasierklinge, die rund 3500 Jahre ist.
Was passierte denn zwischen 20.000 v. Chr. und 2000 nach Chr. hinsichtlich des Rasierens? Die Technik entwickelt sich weiter und die Bartmode verändert sich bis heute stetig. Scharfe Klingenmesser eroberten den Markt und es entstand der Beruf des Barbiers, der heute nur noch selten anzutreffen ist. Vollbart, Backenbart, Kinnbart, Schnurrbart, Ziegenbart, Stoppelbart oder glatt rasiert – das ist die grundsätzliche Frage. Die Rasur bzw. Bartpflege muss jeder Mann täglich auf seine Weise betreiben.
Vor rund einhundert Jahren rasierte sich auf Sylt ein Mann mit Hilfe des wunderschönen Objekts.
Unwissende jüngere Generationen vermuten darin beim Anblick vielleicht eine Spezialteekanne? Nein, es handelt sich dabei um einen 11 cm hohen Bartbecher – aus Steingut. Verziert mit acht filigran gestalteten floralen Mustern und einem Sylter Motiv. Die überdimensionale Öffnung ist für den schmalen Rasierpinsel gedacht, die obere halbkugelförmige Öffnung mit den drei Löchern bietet Platz für das flache Stück Rasierseife. Nachdem warmes Wasser in den Becher eingegossen wurde, konnte es mit der Rasur losgehen. Die Seife musste mit dem nassen Pinsel aufgeschäumt werden. Zuviel aufgebrachtes Wasser tropfte durch die kleinen Öffnungen ab. Anschließend wurde die aufgeschäumte Seife in das Barthaar eingebracht. Das Rasiermesser erledigte den Rest und entfernte das Barthaar.
Er war nie weg!
Seit einigen Jahren zeichnet sich wieder der Trend zum Bart ab. Laut Statistik tragen über 60 % der Herren in Deutschland Bart. Natürlich hat auch der Bart in der Gesellschaft eine Bedeutung. Götter und Herrscher trugen ihn. Zur Zeit der Napoleonischen Kriege galt der Voll- oder Schnauzbart als Abzeichen altdeutschen Wesens. Der Vollbart war ein Zeichen der puren Männlichkeit, aber auch verbunden mit Religiosität und Bildung. So trugen oft Wissenschaftler und Politiker einen Bart. Die heutigen jungen Vollbartträger – die sogenannten Hipster – prägen eine eigene Subkultur. Der Hipster bewegt sich irgendwo zwischen Avantgarde, Extravaganz, Szenebewusstsein und Retrowelle – die Hornbrille und das Bonanzarad gehören neben dem Vollbart genauso dazu wie das neueste Apple Produkt und die alternative Limonade. „Unflath von Speisen und Getränken in den Borsten“
Was hätte aber der Vollbarträger aus dem 19. Jahrhundert gemacht, wenn er seinen Latte Macchiato trinken wollte? Der Milchschaum wäre ihm vermutlich im Bart hängengeblieben. Der Barträger sah sich heftiger Kritik am gesammelten „Unflath von Speisen und Getränken in den Borsten seines Bartes“ ausgesetzt. Um dieses zu verhindern wurde die Barttasse erfunden.
Eine Tasse, die bereits im frühen 19. Jahrhundert aufkam und das Problem sehr leicht löste. Ein im inneren Rand der Tasse angebrachter Porzellansteg hielt den Schnauzbart von dem „Unflath“ fern. Bei der abgebildeten Tasse ist folgende Aufschrift aufgebracht: „Deinen schönen Bart zu schützen soll diese Tasse nützen Bis einst Dein Sohn, der Jüngste dann Den seinen damit schützen kann“. So erfreut sich vielleicht der ein oder andere Hipster an der geerbten Barttasse? Leider fehlt in der Sammlung des Sylter Heimatmuseums noch solch eine Tasse, aber vielleicht entdeckt ein Leser diese Tasse in seinem Fundus und schenkt sie uns.
Vielleicht sogar mit dem schönen Westerländer Motiv, der Kurpromenade mit Musikmuschel, das auf dem Rasierbecher vorzufinden ist. Mag sein, dass der Rasierbecher ursprünglich als touristisches Mitbringsel gedacht war. Dieser Becher jedoch blieb für immer auf Sylt und lässt sich im Heimatmuseum näher betrachten. Und an alle Leserinnen, die bis zum Schluss durchgehalten haben, schauen Sie doch mal bei Ihrem Lieben nach solch einem Becher nach. Wie das Leben so spielt, auch in dieser Sache gibt es die „Schafft die Bärte ab Forderungen“ einiger Frauen! Und wenn eines Morgens der Milchschaum im Barte hängt, weil der Becher verschwunden ist…
Rasierbecher Inventarnummer: 2011-302 Datierung: um 1910 Material: Steingut Maße: 10,5×14 cm (hxb) Technik: gebrannt, gefasst Hersteller: unbekannt Standort: Sylter Heimatmuseum
„Leider“ sind gerade Sommerferien und so können am morgigen Mittwoch, 8. August die Sylter Schulkinder die einfache Rechenaufgabe „Wieviel macht 2018 weniger 1907?“ im Matheunterricht nicht lösen. Wahrlich keine schwere Rechenaufgabe, aber das Ergebnis ist historisch und eine Schnapszahl zugleich: Am 8.8.18 wird der Hörnumer Leuchtturm nämlich 111 Jahre alt. Seit 1907 steht der Leuchtturm auf der Südspitze der Insel und schickt nach Sonnenuntergang seine langen leuchtenden Strahlen über das Meer. Das Museumsobjekt des Monats August ist ein Konvolut von Schulheften, die in diesem Leuchtturm benutzt wurden. Denn, neben dem Maschinenraum und einem Elektrizitätswerk befand sich im Innern des Turmes auch ein kleines Klassenzimmer – die kleinste Schule Deutschlands. Um 1928 besuchen die Schule drei Kinder.
Einer der Kinder ist der achtjährige Walter Merten. 1920 erblickte Walter in Cuxhaven das Licht der Welt. Mit seinen Eltern siedelte er kurz darauf Hörnum. Das zu dieser Zeit noch äußerst übersichtliche Hörnum bot den Mertens Wohnraum und Arbeitsplatz zugleich. Der Gastwirt Harald Merten unterzeichnete am 6. August 1921 einen Vertrag mit der „Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“ (HAPAG) die den Seebäderdienst Hamburg-Amerika bzw. nach Hörnum betrieb. Die HAPAG war gleichzeitig auch Verpächterin des Gästehauses in Hörnum, was Gegenstand des Vertrages war und mit dem Leuchtturm das erste Bauwerk Hörnums ist. Diese Herberge bewirtschaftete die Familie Merten in den folgenden Jahrzehnten.
Walter war das eine schulpflichtige Kind, die gleichaltrige Tochter des Leuchtturmwärters, Gretel Hansen, das zweite Kind der Hörnumer Klasse. Der dritte Schüler mit Hans Hindenburg verließ zu Ostern 1930 die Schule, um in einem Hamburger Hotel seine Kochlehre zu beginnen. Den Ausblick, den Walter und seine Mitschülerin aus den winzigen runden Fensterchen des Leuchtturmklassenzimmers genießen durften war beneidenswert – wobei die bis 2011 betriebene Hörnumer Schule auch später einen exponierten Platz einnahm und der Blick für die vielen Schüler nicht schlechter war.
Walter berichtet 1930 in seinem „Schreibschrift=Heft“ in einem Aufsatz über den Dampfer Odin. Dieser erreichte Hörnum am Nachmittag und die zwei Kinder „haben ihn schon aus der Schule gesehen. Er hatte eine Schute in Schlepptau genommen, mit Busch und Pfählen.“ Das Anlegen des Dampfers beobachtet Walter dann von der Brücke und verfasst mit „Wir gucken beim Anlegen der Schute zu“ einen zweiten kleinen Aufsatz über dieses Ereignis. Dieser Aufsatz wurde vom Lehrer penibel auf die Formbildung der einzelnen Buchstaben sowie Einhaltung der Zeilenräume korrigiert. Das Ereignis muss zu dieser Zeit schon besonders gewesen sein. Es folgt am 29.1.30 das Diktat „Ein Dampfer in Sylt“. „Es ist lange her, daß ein Dampfer bei uns an der Brücke war. Gestern mittag kam Dampfer Odin. Er hatte eine Schute in Schlepptau. Langsam kam er an unsere Brücke …“ Walter machte in dem Diktat einen kleinen Fehler – er vergaß das „s“ bei Bootsmann, was ihm ein „gut“ als Note bescherte. In der Schule wurde sowohl in der Sütterlinschrift als auch in der lateinischen Schreibschrift geschrieben. Die Inhalte aus Rechenkladden, Naturkunde- und Diktatheft lassen erahnen, welche Lehrinhalte und Geschichten den Kindern vermittelt wurden. Es drehte sich oft um inselverwandte Themen, die unter anderem den Prozess der Dünenbepflanzung oder den Besuch „mit der Mutter in der Stadt“ und den damit verbundenen Erlebnissen in Westerland beschrieben. Walters Zeugnisse waren stets mit sehr gut und gut in allen Bereichen gezeichnet.
Am 15.12.1930 druckten zahlreiche Zeitungen im norddeutschen Raum „Ein Weihnachtsbrief aus der kleinsten Schule“ ab.
Die zwei Schüler beschrieben darin kurz ihr „Schulhaus“ und Klassenzimmer und sendeten die Frage: „Wird es bei Euch auch Weihnachten in der Schule?“ ins Land. Weit über zwanzig Zuschriften von Schülern u.a. aus Neumünster, Itzehoe, Blankenmoor bis hin nach Königs Wusterhausen, einem Ort südlich von Berlin erreichten die zwei Leuchtturmschüler.
Die Initiative erfolgte durch das Hilfswerk der Volksschulen für Nordschleswig, die damit für die deutsche Kulturarbeit Spenden sammelten. Hörnum konnte 9,50 Mark einwerben. Gleichzeitig verfasste der Lehrer einen weiteren Brief, den das Hilfswerk und die Sylter Zeitung veröffentlichten. In diesem beschrieb er ausführlich die Schule und die Besonderheit des Inselortes. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hörnum bereits acht Häuser. Den Bahnhof, das HAPAG-Haus mit zwei Blockhäusern und neben dem Leuchtturmwärterhaus, das sich die zwei Leuchtturmwärterfamilien teilten, drei weitere Privathäuser. Diese wurden durch den Kurhausverwalter, einen Zollbeamten, einen Brückenwärter und den Lehrer bewohnt.
Walter besuchte bis zu seinem 12. Lebensjahr die Schule und wechselte dann nach Hamburg, um dort 1936 die Erste Klasse der Volksschule zu beenden und eine Lehre als Schmiedemeister zu beginnen. Die Leuchtturmschule wurde 1933 nach 15 Jahren geschlossen, woraufhin die Kinder den sehr beschwerlichen Weg zur Rantumer Schule auf sich nehmen mussten, bis später wieder eine Schule in Hörnum mit 14 Kindern gegründet wurde. Der Leuchtturm diente von da an nur noch als rein technisches Objekt der Seefahrt.
Datierung: um 1930 Material: Papier Maße: 21×16,3 cm (lxb) Technik: gebunden Hersteller: unbekannt Standort: Sölring Museen/Sylt Museum, Depot
Der Lichtstockhalter – äußerst sparsam und durchdacht!
Zu einfach ist es – wird es dunkel, gelingt es uns heute im Handumdrehen über künstliche Lichtquellen wieder für bestmöglichste Lichtverhältnisse zu sorgen. Bis vor rund einhundert Jahren waren die Menschen in der dunklen Jahreszeit vorwiegend auf Kerzenlicht angewiesen. Das Objekt des Monats, der Lichtstockhalter und der dazugehörige Lichtputzer, erwiesen sich dabei als äußerst praktische Helfer.
Auf den aus Messing gearbeiteten Halter wird der aufgerollte Kerzenstrang mithilfe einer Stange fixiert. Im oberen Bereich muss der Dochtstrang in die kunstvoll ausgearbeitete Schere eingespannt werden. Ist die vorgegebene Kerzenlänge abgebrannt, schnappt die Schere zu, so dass das Feuer erlischt und nicht nach unten weiterbrennen kann. Fand man nun Abends bei Kerzenschein den Weg ins Bett und schlief ein, löschte kurz darauf diese Technik fast gefahrlos die Feuerflamme.
Ist der Kerzenstrang komplett verbrannt, wird die obere Schraube, die in Form einer Ente gestaltet ist, gelöst. Erst dann kann die Schere abgenommen werden und ein neuer Wachsstock findet wieder Platz.
Das Herstellen eines Wachsstockes zählte früher zu den schwierigsten Arbeiten von Lichtziehern, so die ursprüngliche Berufsbezeichnung von Kerzenherstellern. Einerseits musste ein von Hand mit verschieden starken Fäden gespannter Docht erzeugt werden. Gleichzeitig war der eigentliche Vorgang des Wachsziehens die große Herausforderung. Bis eine fast endlose und gleichmäßige Wachskerze entstand, musste der Docht in mehreren Durchläufen mit Hilfe zweier Trommeln durch ein Wachsbad sowie ein Zieheisen gezogen werden. Das Zieheisen gewährte die Gleichmäßigkeit der Kerze. Wurde der Raum und das Wachs falsch temperiert oder an der Trommel zu schnell gezogen, konnte es gut sein, dass die Kerze missglückte.
Lichtstockhalter mit Spange und Feststellschrabaube Flatterbinsen, Baumwolldocht und KerzenrußMit dem Import der Baumwolle wurde diese verstärkt neben dem heimischen Flatterbinsen und Leinen als Docht eingesetzt. Allerdings verbrannten die gezwirnten Fäden aus gebleichtem Garn nicht und sorgten schnell für ein trübes Licht und große Rußentwicklung, so dass der dicke Docht laufend mit Putzscheren nach geschnitten werden musste.
Für diese Tätigkeit wurde seit dem 16. Jahrhundert die Lichtputz- bzw. Dochtschere genutzt. In schlichter Scherenform oder detailreich und aufwendig gestaltet, präsentiert sie sich noch heute vereinzelt in Sammlungen. Die zum Objekt des Monats dazugehörige Dochtschere wurde ebenfalls aus Messing hergestellt und ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Auf dem unteren Scherenblatt wurde der halbrunde Dochtkasten angelötet – als Pendant am oberen Scherenblatt der hochstehende Verschluss. Der Dochtkasten hat den Vorteil, dass beim „schnäuzen“ das Dochtende aufgefangen wird und nicht auf die Tischdecke herabfällt.
Durch die stetige Weiterentwicklung des verflochtenen Baumwolldochtes erübrigt sich heutzutage dieser Prozess.
Schluss mit der Flirterei!
Dem „Keitumer“ Wachsstockhalter eilt zudem der Ruf als „Verlobungskerze“ voraus. Diese liebenswerte Anekdote erzählt, wie die feinsinnige Technik sich auch in anderen Alltagsbereichen als „nützlich“ erwies. Denn, die Kerzenlänge bestimmte in diesem Falle die Dauer des Rendezvous. Der höfliche Verlobte verabschiedete sich, sobald die Schere zuschnappte.
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