Schon wieder befinden wir uns in der dunklen Jahreszeit. Das nun wieder verstärkt auftretende Schmuddelwetter und die Winde sorgen dafür, dass es in der heimischen Stube bei Kerzenschein und Ofenwärme erst so richtig gemütlich wird. Das war in den vergangenen Jahrhunderten nicht anders – nur die Möglichkeiten, die Räume zu erhellen und erwärmen waren weitaus komplexer und kostenintensiver. So wurden nur einzelne Räume im Haus mühevoll aufgewärmt, die anderen blieben kalt. Das künstliche Licht hat seinen Ursprung im Feuer.
Die drei großen Kulturleistungen des Feuers für die frühe Menschheit sind das Kochen, das Heizen und das Leuchten. Dafür stand ursprünglich das ungeteilte Feuer, um das sich die Menschen bei Einbruch der Dunkelheit versammelten. Diese Einheit löste sich im Laufe der Kulturentwicklung allmählich auf und ließ die Funktionen des Feuers auseinander treten. Im Altfriesischen Haus lässt sich anschaulich nachvollziehen, wie Kochen und Heizen noch eine lange Zeit verbunden blieben. Die Beleuchtung löste sich jedoch aus diesem Gesamtverband. Zunächst wurden Kienspäne und Holzscheite genutzt, um das Licht mobil zu machen. Professionalisiert wurde diese Art der Beleuchtung durch den Einsatz von Harz und Pech. Bis die Kerze und Öllampe kam.

Die Tranlampe aus dem 18. Jahrhundert, gehört zu diesen Lampen, die im 17. und 18. Jahrhundert gern genutzt wurden, um Licht in die Stube zu bringen.
Der Walfang entwickelte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einem lukrativen Wirtschaftszweig, wovon die Friesen durch Arbeitsplätze und die damit verbundene Vergütung profitierten. In der vorindustriellen Zeit waren die Tiere Lieferanten der wichtigsten organischen Rohstoffe. Bis ins 18. Jahrhundert hinein, war es vor allem die Speckschicht, die Verwendung fand. Der größte Bartenwal, der Blauwal, lieferte bis zu 30 Tonnen Öl pro Tier! Um den Tran zu gewinnen, mussten die aus dem Walkörper geschnittenen Speckstücke ausgelassen werden. Später wurden auch Seehunde totgeschlagen, um deren Fett zu gewinnen. Mehrere Stunden wurden der Walblubber n einem Transiedekessel über dem Feuer ausgekocht, dann abgeseiht und in abgekühltem Zustand in Fässer gefüllt. Zu Beginn geschah dies noch auf den Walfängerschiffen oder in den Buchten direkt vor Spitzbergen. Dies war jedoch wegen der Brandgefahr auf den Schiffen äußerst riskant und sorgte bei einigen Walfängern dafür, dass sie ihren Heimathafen nicht mehr anlaufen konnten und für immer und ewig in der See blieben. Um das Feuer in den Buchten zu entfachen, musste zunächst Brennmaterial dorthin geschafft werden, was sehr aufwendig war. Daher etablierten sich in direkter Nähe zu den Heimathäfen die Trankochereien. Die inzwischen schon teils verwesten Speckscheiben wurden in diesen Brennereien ausgekocht, wobei ein unerträglicher Gestank entstand. Die optimale Lösung gab es wohl nicht. Lukrativ war es jedoch allemal.


Das Öl aber war für die Gesellschaft essentiell und gehörte fortan zum täglichen Bedarf. Es diente verstärkt als Maschinenschmierstoff uns insbesondere als Lichtquelle, da es kostengünstiger als Talgkerzen war. Neben den Wohnräumen wurden mit dem Öl ganze Straßenzüge erhellt.
Im Altfriesischen Haus befinden sich gleich zwei unterschiedliche Modelle von Tranlampen. Beides sind Dochtlampen. Das offene eiserne Schälchen der einfachen Tranfunzel wird mit Tranöl aufgefüllt. Mit dem inneliegenden Docht aus Binsenmark, später auch aus Baumwolle, wird das Licht entzündet. Das Licht bleibt jedoch sehr gering und gemessen an der Energie, die insgesamt verbrannt wird, ist die Lichtausbeute erschreckend gering. Das gilt für alle Öllampen, die tierische Fette verbrennen. Hinzu kommt noch die Qualität des Fettes. Fette mit ungesättigten Fettsäuren rußen wiederum stärker, die Flamme wird dunkler und folglich das Licht schwächer als bei Fetten, die einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aufweisen. Gegenüber dem Kienspan hat die Öllampe jedoch den deutlichen Vorteil, dass Sie ein ruhigeres Licht abgibt. Das flackern und rußen ist reduziert. Außerdem ist die Brandgefahr durch das Gefäß deutlich reduziert.
Das Schälchen wurde kunstvoll an eine rund 60 cm lange Stange geschmiedet so, dass es mit einem Haken in Raumhöhe aufgehängt werden konnte und relativ sicher sein schwaches Licht verbreiten konnte.
Talg, Wachs, Fett, Öl – alles wurde verbrannt – mit unterschiedlichen Ergebnissen und Anforderungen. Bis das Petroleum im Mitte des 19. Jahrhunderts als Erdöldestillat den Markt eroberte. Der Brennwert des Petroleums ist zu dieser Zeit unschlagbar. Es ist aber auch brandgefährlicher, da es auch ohne Docht brennt und beim Verschütten so eine große Gefahr in sich birgt. Waltran wurde noch bis ins 20. Jahrhundert als Lampenöl benutzt.

Ähnlich wie die Tranfunzel funktioniert die zweite Öllampe aus Messing. An einen 20 cm langen Messingstab hängt am Ende ein bauchiger Behälter mit drei Seitenöffnungen. Das Öl wird von oben eingefüllt und ebenfalls über darin liegendes Dochtmaterial zum schwachen Leuchten gebracht. Das Feuer leuchtet nun an den Seitenöffnungen heraus.
Um die Sache rund zu bekommen, zeigen wir Ihnen in der Kööken (Küche) des Altfriesischen Hauses auch ein hölzernes Kerzenständergestell mit 30 Löcher für die metallenen und gläsernen Gussröhren. In diesem wurden die Kerzen aus Hammeltalg hergestellt.
Tranlampe
Inventarnummer: 2012-218
Datierung: Frühes 19. Jahrhundert
Material: Eisen
Maße: d: 12 cm l: 60 cm
Technik: Schmiedetechnik
Hersteller: unbekannt
Standort: Altfriesisches Haus






