Mikado Spiel

Das Spiel aus der weiten Welt

Wer kennt die vier Jungs, genauer gesagt Männer nicht? Jan und Hein und Claas und Pit – es müssen Männer mit Bärten sein! Männer, die ranzigen Zwieback lieben, die deftige Pfeifen rauchen und die das Walross fangen. Ein Lied über Jungs, die auf Kaperfahrt fahren und scheinbar nicht so schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Der Kurs wird gehalten und am Ende ist die Beute das Ziel. Was werden Sie mitbringen, wenn Sie wieder nach Hause kommen?

Inzwischen werden die Tage wieder länger und vor über 300 Jahren wurden die Sylter Seemänner alljährlich gegen Ende Februar eines jeden Jahres in die Ferne verabschiedet – vielleicht nicht unbedingt zur Kaperfahrt, aber irgendwie war die Walfang auch eine Art Beutezug. Das Objekt des Monats Februar, das Mikado Spiel, muss von ebensolch einer Reise stammen.
Dieses Mikado behauptet seine Andersartigkeit auf verschiedenen Wegen. Zunächst besteht aus nur 22 aufwendig hergestellten Stäben. Alle sind unterschiedlich und teils äußerst filigran ausgearbeitet. Üblich sind beim Mikado 41 Stäben in einer Länge von 18 cm und normalerweise gleicht ein Stab dem anderen. Das Sylter Mikado misst 10 cm. Routinierten Mikadospieler verlangen diese Elfenbeinstäbe wohl einiges an Phantasie ab. Geschicklichkeit ist sicherlich der richtige Kurs, der beim Spiel benötigt wird, um den Gegenspieler den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Besondere an dem Mikado ist aber, dass es einmalig ist und wenn überhaupt nur wenige gleichwertige Exemplare noch existieren.

Standardausrüstung im Miniaturformat

Betrachtet man die geschnitzten Stäbe genauer, lassen sich einige Formen und Parallelen zu Gerätschaften der Seefahrt bzw. Walfang erkennen. Enterhaken, Lanzen, Widerhaken, Harpune, Fass, Speck- und Flensmesser, Axt und Schaufel – all diese Dinge zählten zur Standard Ausrüstung eines Walfangschiffes.

Erscheint uns heute diese Gestaltung und Wahl des Materials als originell, so war es zu Zeiten des Walfanges eher eine elegante und geistreiche Notlösung. Weite Strecken waren die Seemänner unterwegs, Walfisch, Pottwal und Walross lieferten den Seemännern das Elfenbein. An Bord der Schiffe konnten sie die Knochen und Zähne verarbeiten. Es entstanden dabei Scrimshaws oder eben dieses Mikado. Sie gravierten und schnitzten mit einfachen Nadeln und Messern das Material. Dass die Gravuren sichtbar wurden, rieben sie diese mit Ruß ein. So saßen dann Jan, Hein, Claas und Pit an Deck und spielten Mikado?


Bis Mitte des 18. Jahrhunderts heuerten die Sylter Friesen auf hamburger und niederländischen Walfischfängern an. Auch der Sylter C.P. Hansen hat in seinen Chroniken eindrucksvoll dargelegt, welche Beute (Fälle, Tran) auf den Fahrten gemacht wurde. Aber auch woher die Besatzung kam. Demnach stellten die Inselfriesen 1673 rund drei bis viertausend Seemänner. Darunter fanden sich Speckschneider, Harpunierer, Boots- und Steuermänner oder Kommandeure.

Die Hamburger Schiffe waren fast ganz mit Nordfriesen besetzt. Ein Drittel aller Kommandeure waren Sylter, ein weiteres Drittel Föhrer, wobei die Föhrer meist die holländischen Schiffe bevorzugten. Über 20 Kommandeure kamen von Sylt. Föhr übertraf dies deutlich mit 50. Überhaupt, stellten die Föhrer unter den Friesen die größte Anzahl von Seeleuten. Den Friesen eilte auch ein äußerst guter Ruf voraus: „Sie wurden überall gern gesehen, weil sie sich immer mehr auszeichneten durch ihre Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit und Ausdauer in der Seefahrerwelt, in den Seestädten und auf den Meeren Europas einen seltenen Ruf erwarben“.

Biike und Petritag der Inselfriesen

Nach dem Petritag segelten die Insulaner in Gruppen von 50-100 Mann auf kleinen Schmackschiffen (Küstensegler) nach Holland und Hamburg. Zuvor, am 21. Februar leuchteten ringsum auf den Inseln die Biikefeuer der Friesen. „Die Sylter Bieken wurden zuerst angezündet, dann die der Umgebung; von Eiland zu Eiland lohten sie zum Himmel auf. […] Zur Zeit der Grönlandfahrer waren sie das Abschiedssignal, das lodernde Zeichen zu neuen Sturmfahrten, Abenteuern, Gefahren und Reichtümern. Der darauffolgende Petritag war das Nationalfest der Insulaner, da wurde ,Volksding‘ gehalten, auf welchem Gesetze und Verbote verkündet wurden; aber auch dem Essen, Trunk, Spiel und Tanz huldigte man dann oft bis zum Übermaß. Sobald nun ein günstiger Wind wehte, nahm man Abschied von Weib und Kindern, Freunden und Bekannten.“

Und vielleicht brachte Claas bei seiner Rückkehr, als Geschenk und Erinnerung an seine Abenteuer, seinen Kindern das Mikado mit!


Inventarnummer: 2009-2002
Datierung:
Material: Elfenbein
Maße: 10 cm (l)
Technik: geschnitzt
Hersteller: unbekannt
Standort: Sylter Heimatmuseum

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