Silberne Teekanne

Silberne Teekanne

Teekanne aus Silber von 1810, gefertigt in Tondern von Goldschmied Paul Hansen

„Ob ich morgen leben werde, weiß ich freilich nicht. Aber daß ich, wenn ich morgen lebe, Tee trinken werde, weiß ich gewiß.“

Der Dichter aus der Zeit der Aufklärung muss es wissen – Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) schätzte den zarten blumigen Geschmack der feinen Blätter. Im Verhältnis gesehen kannten die Europäer zu Lessings Zeit Teepflanze noch nicht allzu lange. 1610 erst gelangte eine Sendung von Grünem Tee durch die niederländische Ostindien-Company in die Niederlande. Die Niederländer hatten zu diesem Zeitpunkt das europäische Monopol für den Teehandel und achteten darauf, dass ab 1637 kein holländisches Handelsschiff das heutige Jakarta ohne ausreichend Kisten chinesischen und japanischen Tees an Bord verließ. Das war eine gute Tat und fiel in die Zeit, als die Sylter begannen, mit dem Walfang ihr Einkommen zu bestreiten.
Das Museumsobjekt des Monats zeigt, welche Wertschätzung dem Tee entgegengebracht wurde. Das zelebrieren der Teekultur drückt sich nicht nur in der Wahl der richtigen Teesorte und des Zubereitens aus, sondern benötigt im Grunde auch die feinsten und kunstvollsten Gefäße aus Porzellan und Silber. 
Was für ein eleganter Auftritt! Beim Anblick der Kanne fühlt man sich geradezu aufgefordert, einen der feinsten Darjeeling Tees daraus zu genießen. In voller Gänze misst die Kanne 14,5 cm Höhe, wobei davon schon fünf cm dem scharnierten Deckel samt Knauf zugerechnet werden müssen. Der tropfenförmige Knauf und der kantige D-Henkel sind aus dunklem Ebenholz gearbeitet. Der verjüngende Aufbau des Deckels und die an eine Balustrade erinnernde Begrenzung erinnern sehr stark an eine Architektur. Betrachtet man diese Abgrenzung genauer, so lassen sich ansatzweise die wiederkehrenden Formen zweier filigran gestalteten Figuren erkennen. Im abwechselnden Rhythmus tauchen in vier gleichgroßen Feldern immer wieder Frau und Mann auf. Das aufwendig gestaltete Muster und die Gestaltung wiederholen sich auf dem dazugehörigen Silbertablett.

Die weitgehend schlichte ovale Form des Korpus und der gerade lange Ausguss der Kanne deuten auf einen Stileinfluss des Klassizismus hin. Überhaupt, die Gestaltung des Details lädt zum Entdecken ein. Der Goldschmiedemeister versteht sein Handwerk und hat sichtlich Freude daran. Die vielfältigen Verzierungen durch pflanzliche Motive treten erhaben, das heißt reliefförmig hervor. Das gewissermaßen zeichnerische Dekor entsteht durch die Bearbeitung der Oberfläche mit Ziselierstift, Stahlstichel, Punziereisen oder Ätzen durch Säure. Beim Ziselieren gräbt der Kunsthandwerker mit kleinen Meiseln und Stiften frei oder nach einer gezeichneten Dekorvorlage, die Verzierungen in die Oberfläche des Silbers ein. Die Ziselierarbeit mit dem Stahlstichel nennt sich Gravur. Dekorativ wird der Korpus von oben und unten durch die rundumlaufende Kannelierung begrenzt. Die Schauseiten zeigen ein großflächiges Dekor. Jeweils ein rechteckiges, mit eingezogenen Ecken graviertes Fries bildet den Rahmen für die innenliegende Gravur. Mittig befindet sich ein leicht oval angeordneter Blätterkranz. Scheinbar ist ein Kranz davon der Rose mit ihren Knospen gewidmet. Die Inschrift lautet: „den 14ten Januar 1810“. Gegenüberliegend ist ein Eichenkranz um die Inschrift Liebe und Freundschaft graviert. Auf dem Kannenboden sind 13 Initialien aufgeführt, die Hinweise auf die Besitzer geben. Gleichermaßen finden sich dort die Beschauzeichen – die Punzen. Diese kleinen eingeschlagenen Stempel geben Auskunft über die Werkstatt und den Meister und lassen somit das Werkstück sowohl zeitlich als auch räumlich einordnen. Der eingeschlagene Dreimaster verweist auf die tondernsche Goldschmiede. Die Gewerke Tonderns erhielten am 24. Juni 1593 durch den Herzog Johann Adolf „die Erlaubnis zur Bildung einer Schützengilde“ Dies hatte unter anderem den Vorteil, dass im weiteren Verlauf fremde Handwerker der Gilde fünf Taler bezahlen mussten. Die Punze „PH“ nennt den Goldschmiedemeister Paul Hansen aus Tondern. Um dies zu bestimmen, gibt es spezielle Nachschlagewerke, die alle Punzen zusammengefasst haben.

Während die heutige moderne Technik schon die Teekapselmaschine erfunden hat und somit das Zubereiten eines Tees revolutionierte, darf bei der Museumskanne noch alles auf konventionelle -vielleicht auch auf romantische Art – betrieben werden. Daher fehlt noch ein wesentliches Teil der Kanne. Das eierförmige Sieb, das mit einer Klemmfeder im Ausguss befestigt wird. Der obere Rand ist durch ein rundumlaufendes Punktrelief gestaltet und wird unterhalb an vier Stellen für die Aufnahme der Erbskette durchbrochen. Die Ketten sind über einen Drahthenkelbügel verbunden, so dass mittels der Klemmfeder das Sieb direkt am Ausguss hängt und das Teeblatt beim Ausgießen auffangen kann. Die Laffe, damit ist beim Teesieb die Auffangschale gemeint, ist punktförmig durchbrochen. Von außen ist jeweils an den Enden eine Ziselur zu sehen. Auf der einen Seite „S.F. d 24 t Juli 1818“ und auf der anderen ein junges Paar, welches sich verträumt an den Händen hält bzw. in der anderen Hand eine Blättergirlande. Vermutlich ein Rendezvous! So soll es sein und so bereitet auch das Teetrinken Freude. Die Teekanne ist im Sylter Heimatmuseum in der Vitrine zu finden, die sich direkt zur Sonderausstellungsfläche befindet. Dort können Sie bis zum 24. Juni noch zahlreiche weitere Rendezvous! entdecken und im Anschluss lässt sich in der Nachbarschaft die hervorragende Teeauswahl mit Blick aufs Wattenmeer gen Tondern genießen.

Dose aus Gewürznelken

Dose aus Gewürznelken

Gewürzdose aus Nelken  aus dem 19. Jahrhundert

Seit 1. Oktober 2017 läuft für insgesamt drei Jahre das Projekt Schleswig-Holstein zwischen Weltoffenheit und Kolonialismus. Finanziell wird das Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und dessen Förderlinie eHeritage gestützt. Das Ziel ist, flächendeckend die ethnografischen Objekte und Fotografien der Museumssammlungen in Schleswig-Holstein und Süddänemark in ihrer Gesamtheit zu erfassen und digitalisieren. Die Sölring Museen sind Teil dieses Projektes. Im September 2018 durchforschte die Ethnologin und Projektmitarbeiterin Dr. Kalka die Sammlung der Sölring Museen und fand dabei in den Ausstellungen und Magazinen allerlei spannende Ethnografica.

Aus Näglein gesteckt – Eine Dose aus Gewürznelken

Den meisten ist das Wiegenlied „Guten Abend, Gute Nacht“ bekannt. Bei den vielbesungenen „Näglein“ in diesem Lied handelt es sich um die getrockneten Knospen des Gewürznelkenbaumes (Syzygium aromaticum). Nur wenigen dürfte geläufig sein, dass diese „Näglein“ nicht nur als Gewürze dienten, sondern dass daraus auch Kunstwerke geschaffen wurden, wie das folgende Beispiel aus dem Sylter Heimatmuseum zeigt.

Dicht an dicht wurden die frischen Knospen des Gewürznelkenbaumes auf schmale Palmblattspreiten (?) aufgezogen, die dickeren Köpfchen jeweils neben das schmalere Knospenende gelegt. So entstanden kleine, dichte „Stränge“, die anschließend mit Pflanzenfasern zu einer kleinen, 5 cm hohen und 15 cm langen, ovalen Deckeldose zusammengenäht wurden.

Die Dose verströmt immer noch einen Gewürznelkenduft. Sie wurde aller Wahrscheinlichkeit nach auf der indonesischen Insel Ambon gefertigt – und war ausschließlich für den Verkauf an die Europäer gedacht. Die 775 qkm große Insel in den Molukken (zum Vergleich: Schleswig-Holstein misst ca. 15.800 qkm groß) war bis zum 19. Jahrhundert weltweit das Zentrum für den Anbau von Gewürznelkenbäumen und Schauplatz zahlreicher blutiger Auseinandersetzungen zwischen indigenen Völkern auf der einen und den Kolonialmächten Portugal, Niederlande und Großbritannien und deren jeweiligen indigenen Verbündeten auf der anderen Seite. Ziel der Europäer war, das Monopol im Nelkenhandel zu erlangen, das ursprünglich beim Sultanat von Ternate lag, zu dem Ambon damals gehörte. Lange Zeit hatte die Niederländische Ostindien-Kompagnie dieses Monopol inne. Dies hatte sie u.a. dadurch erreicht, dass sie alle Gewürznelkenbäume außerhalb der Insel und dreier kleinerer Nachbarinseln fällen ließ. Außerdem verhängten die Niederländer die Todesstrafe für die Ausfuhr von Jungpflanzen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden jährlich bis zu 2 Millionen Pfund Gewürznelken exportiert. Die Kompagnie zahlte den Produzenten maximal 25 Cent pro Pfund und verkaufte die Nelken in Europa und Asien zu einem Preis von drei bis vier Gulden das Pfund. 1769/70, knapp 20 Jahre vor der Auflösung der Niederländischen Ostindien-Kompagnie, gelang es allerdings dem französischen Missionar und Gartenbaufachmann Pierre Poivre, fünf Jungpflanzen erfolgreich außer Landes zu schmuggeln. Eine davon überlebte – und dies ist unklar – auf Mauritius oder La Reunion, von wo aus ihre Nachkommen etwa um 1818 in Sansibar und vermutlich zwei Jahre später auf Madagaskar angepflanzt wurden. Aber auch heute noch ist Indonesien der Hauptexporteur von Gewürznelken.

Ebenfalls im 19. Jahrhundert begann man auf Ambon, verschiedenartige, kleinere oder größere Gebilde aus frischen Gewürznelken herzustellen: Es entstanden vollständige Kaffeeservice, Boote mit Besatzung, Hausmodelle, Schalen, Blumenkörbe, Tintengefäße, Stiftehalter, Vasen und Dosen von jeglicher Form. Dieses Kunsthandwerk wird auch heute noch betrieben. Und während die Produkte ursprünglich ausschließlich für den Verkauf an die Kolonialherren gedacht waren, zieren einige dieser Gegenstände heute die Haushalte in Ambon selbst oder sind im Museum Siwalima auf Ambon ausgestellt.

In Europa hat man mit den getrockneten und harten Nelken ebenfalls dreidimensionale Werke geschaffen. Besonders hervorzuheben ist hier die Tradition der Gewürzsträuße, die im Raum Salzburg noch heute gepflegt wird. Aber auch Kruzifixe aus Nelken sind entstanden.

Übrigens: im Haus der Natur in Cismar ist eine Holzkiste mit Geheimfach ausgestellt, die zum Transport von Gewürznelken aus Sansibar diente.

Inventarnummer: 2015-166
Datierung: 19. Jahrhundert
Material: Nelken, Palmblatt,
Maße: 5x12x15 cm (hxbxl)
Technik: geflochten
Hersteller: unbekannt
Standort: Sölring Museen/Sylt Museum, Depot

Bowlelöffel

Bowlelöffel

Bowlelöffel

Ein gehaltvoller Schluck

Zuerst das besinnliche Weihnachtsfest und dann krachend ins neue Jahr 2017. Eine Bowle darf dabei nicht fehlen. Ob mit oder ohne Alkohol, fruchtig prickelnd oder warm als Punsch – vielseitig ist die Bowle allemal und wird nicht nur im Winter getrunken. Das Museumsobjekt des Monats Dezember, der silberne Punschlöffel, kann es problemlos mit den exklusivsten Bowlen und den fortgeschrittenen Rummelpott-Gängern aufnehmen.

Der graziöse Löffel ist das perfekte Geschirr, wenn der Gastgeber den Punsch verteilt. Zum festlichen Essen an Weihnachten gehört seit jeher nämlich auch der gehaltvolle Schluck. Für diesen Schluck wurde neben einer Bowle früher in Schleswig-Holstein extra ein kräftiges „Julbier“ gebraut, um auf „Jul zu trinken“. Aber auch die allerbesten Weine kommen bis heute dabei auf den Tisch.

Genussmittel, exotische Gewürze und Zitrusfrüchte für die Bowle wurden bereits im 18. und 19. Jahrhundert aus den Kolonien importiert. Diese beeinflussten die Qualität entscheidend bzw. machten die Bowle erst möglich. Der Friesenpunsch steckt nämlich voller Zutaten, die nur in Kolonialläden oder Höker erhältlich waren. Häufig war es das Privileg der Küstenbevölkerung, aufgrund der vielfältigen Kontakte über die Seefahrt und den Handel, frühzeitig mit den Luxusgütern in Kontakt zu kommen. So brachten Sylter Seeleute und Kapitäne von ihren Reisen stets neue Güter mit. Auch bei Schiffsstrandungen vor der nordfriesischen Küste konnte eine Ladung mit Kolonialprodukten dabei sein. Umgang und Kenntnis mit dem neuen Produkt musste dann erst einmal erworben werden. Heute weiß jeder wie Tee verarbeitet wird – dies musste aber erst erlernt werden.

Der Sylter Chronist Christian Jensen (1857-1936) berichtete über das 18. Jahrhundert, dass hauptsächlich Wasser und Molke getrunken wurde. Bei Festlichkeiten tischten die Insulaner auch mal Husumer Bier auf. Tee lernten die Sylter ab 1735 kennen und rund 10 Jahre später gelangte dann auch der Kaffee auf die Insel. Das Tee- und Kaffeetrinken etablierte sich sehr schnell und veränderte damit auch nachhaltig die Trinkgewohnheiten der Menschen an der Westküste. Tee wurde schnell zum Alltagsgetränk, da damit die schlechte Trinkwasserqualität sowie die Lebensqualität deutlich verbessert wurden. Tee ist auch im Punsch eine wichtige Zutat.

Kaffee galt zum einem als Luxusgut, zum anderen aber auch als Notgetränk, da er ein Sättigungsgefühl vermittelt. Hinzu kommt, dass er in schlechten Zeiten als Surrogat aus Korn und Früchten gewonnen werden konnte und somit die Trinkgewohnheiten der Menschen erhalten blieben.

Dass die Genussmittel im 17. und 18. Jahrhundert schnell in den Alltag der Menschen integriert wurden, lag zum einen daran, dass viele Bewohner dieser Zeit bereits entsprechenden Wohlstand erlangt hatten und sich die Güter leisten konnten. Zum anderen aber sollte dafür auch die Weltoffenheit als Folge von intensiver Handelsbeziehungen und langer Seefahrertradition der Menschen verantwortlich gewesen sein. Neben den Ess- und Trinkgewohnheiten änderte sich durch den Einzug der Kolonialgüter gleichzeitig auch der Wohnalltag, in dem neue Möbel, Geschirr und Kleider genutzt wurden. Das Kaffee- und Teetrinken oder das Rauchen erforderte neue Ausstattungsstücke wie Mühlen, Geschirr, Pfeifen und Aufbewahrungs- sowie Warmhaltemöglichkeiten.

Gemütliche Punschrunden gab es im 19. Jahrhundert nicht nur in den Berliner Salons sondern auch auf Sylt. Vorbereitungsabende klangen mit einer Punschrunde aus. Am Festtag feierte man bei Punsch, Grog, Stopftabak und Zigarren. Beim traditionellen Rummelpottlaufen erhielt man bspw. eine Portion kräftigen Punsch. Friedrich Schiller ehrte 1803 den Punsch mit einem Lied und beschreibt darin die Anzahl der Zutaten sowie die Herstellung. Er endet mit: Eh es verdüftet Schöpfet es schnell Nur wenn er glühet Labet der Quell.

Der mehrteilige und 93 Gramm leichte Sylter Punschlöffel ist rückseitig des muschelförmigen Musters mit einer Punktierung versehen, die ausweist, dass der Löffel „zum 23ten [Dezember] 1847“ an eine Person (unleserlich) geschenkt wurde. Der Stempel des Herstellers weist den Meister Jacob Andreas Bodewadt aus Süddänemark/Tondern aus. Der Griff, aus Elfenbein gefertigt, lässt sich über ein Gewinde zerlegen bzw. mit dem Schaft des Löffels verbinden.

Friesen Punsch:

6 Orangen
2 Zitronen
1 Vanille- und 1 Zimtstange
10 Gewürznelken
250 gr. Zucker
½ l Wasser
6 geh. TL schwarzer Tee (Assam oder Darjeeling)
1 Flasche Rum (0,75l
Die hauchdünn abgeschälte Orangen- und Zitronenschalen mit den Gewürzen Zucker und Wasser aufkochen und 5 Minuten ziehen lassen. Den Tee und den Saft aller Früchte dazugeben, weitere 5 Minuten ziehen lassen. Abseihen und mit dem Rum nochmals aufwärmen. Nach Belieben im Glas mit heißem Wasser aufgießen.

Inventarnummer: 2005-240
Datierung: um 1847
Material: Silber, Bein
Maße: 23 x 11 x 7,5 cm (lxbxh)
Technik: getrieben, gehämmert, geprägt, gedrechselt 
Hersteller: Meister Jacob / Bodewadt/Tondern
Standort: Sölring Museen/Sylt Museum, Ausstellung

Mausefalle

Mausefalle

Unzählige Versionen gibt es davon – vom einfachen schlichten Modell bis hin zur aufwendig gestalteten und mit ausgefeilter Mechanik versehen Anlage – Mausefallen, der Albtraum einer jeden Maus, die nun im Herbst Nahrung und Unterschlupf in Haus und Scheune sucht.

Gegen das Problem mit dem Ungeziefer haben die Menschen schon früh Vorkehrungen getroffen. Das Museumsobjekt des Monats November, die doppelte Mausefalle, ist eines davon und ist im Altfriesischen Haus ausgestellt – natürlich in der Speisekammer. Als es noch keine Kühltruhen, Kühlschränke und luftdichte Vorratsschränke gab, lagerten die Menschen ihre Lebensmittel im Keller, auf dem Dachboden oder in der Speisekammer. Fielen die Nager gleich im Herbst über die prallgefüllte Speisekammer her, wäre die betroffene Familie den Rest des Winters vom Hunger bedroht gewesen. Aus Quellen geht jedoch hervor, dass bei den Syltern der soziale Zusammenhalt ausgeprägt war und sie sich gegenseitig unterstützten.

Die Bevorratung zum Herbst war für die Sylter von großer Wichtigkeit. Oft war die Insel monatelang im Winter durch Frostperioden vom Festland abgeschnitten. Die Insellage ermöglichte es nicht, alles an Getreide, Gemüse und Obst anzubauen, welches für den Winter gebraucht wurde. Daher mussten die Vorräte rechtzeitig vom Festland organisiert werden. Mehl zum Backen, Kaffee und Zucker für den Haushalt aber auch Gerstenschrot für die Schweine waren bei den Besorgungen ganz oben auf. Das Fleisch der Hammel wurde geräuchert und in den Schornstein zur Aufbewahrung gehängt. Als Frischfleisch gönnten sich die Sylter im Winter mal ein geschlachtetes Lamm oder Huhn oder geschossene Hasen und Wildenten. Diese waren dann regelrecht ein Festschmaus, wovon die Maus nichts zu sehen bekam. Aber auch Fisch wurde für den Winter vorbereitet. Billige Schollen von dänischen Fischern wurden für den Winter bei gutem Wetter bis zum hart werden getrocknet.

Der Schutz vor den unterschiedlichsten Schädlingen war daher von besonderer Bedeutung. Neben der Dezimierung des Wintervorrates bestand bei den Mäusen auch die große Gefahr der Übertragung von Krankheiten.

Das Vorgehen ist bis heute bei allen Modellen gleich. Die Maus wird mittels eines Köders angelockt und dann gefangen. Die einzige Frage, die sich nun stellt ist: Bleibt die Maus lebendig oder ist sie nach dem Versuch, die Leckerei zu erhaschen mausetod.

Die Keitumer Mausefalle ist eine Lebendfalle. Roch die Maus den Speck oder Käse im hinteren Teil der Falle, wollte sie diesen auch erobern. Dazu musste die Maus durch ein schmales rundbogiges Portal huschen und nebenbei noch eine Schnur zerbeißen. War die Schnur gekappt, schloss ein Metallstück schlagartig das Eingangstor. Ein Entkommen war dann nicht mehr möglich. Nach oben schließt die Falle mit kleinen Metallstreben, die den Blick in die Falle ermöglichen.

Bei der Lebendfalle musste die Maus relativ zeitnah wieder in die freie Natur gegeben werden, da die Maus nun einer Menge Stress ausgesetzt war. Im Vordergrund stand bei dieser Fangart ja der Tierschutz. Dazu wurde die Falle nach draußen gebracht. Praktischerweise ließ sich der Boden jeder einzelnen Falle individuell herausziehen, so dass die Maus ohne weiteren Kontakt entwischen konnte – und vielleicht begann das Spiel wieder von vorne?

Auch heute versuchen die Mäuse zum Herbst in die Vorratskammern zu dringen. Wer keine Katze zur Abwehr hat, greift auch hier wieder zur Mausefalle. Hersteller lassen verlauten, dass sich dabei ein Trend zur Lebendfalle abzeichnet. Gleichzeitig gibt es auch schon Mausefallen, die den Jäger per SMS oder Email auf einen positiven Fang hinweisen.

Inventarnummer: 2008-508
Datierung: 19. Jahrhundert
Material: Holz, Metall, Garn
Maße: 21 x 26 x 5 cm (bxlxh)
Technik: gesägt, genagelt, gezapft
Hersteller: unbekannt
Standort: Sölring Museen/Altfriesisches Haus seit 1640, Ausstellung