Von Warschau nach Westerland. Die Karrieren des Heinz Reinefarth

1. Juni–19:00 - 20:30
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Vielen NS-Tätern gelang in der Bundesrepublik eine zweite Karriere, doch kaum eine war so spektakulär wie die von Heinz Reinefarth. Der Jurist, 1903 in Gnesen geboren, stieg im Zweiten Weltkrieg in Spitzenpositionen des SS- und Polizeiapparats auf. Dessen Chef Heinrich Himmler beauftragte ihn Anfang August 1944 damit, den Warschauer Aufstand niederzuschlagen. Die von Reinefarth kommandierten Truppen ermordeten in den ersten Tagen des Aufstands der polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer mehr als 30 000 Zivilisten. Für diese Verbrechen sollte sich der SS- und Polizeigeneral nach dem Krieg vor einem polnischen Gericht verantworten. Die Westalliierten lehnten eine Auslieferung des „Henkers von Warschau“ jedoch ab. Anders als die Mehrheit der ehemaligen SS-Mitglieder strebte Reinefarth daraufhin in die bundesdeutsche Politik. Bereits 1951 wurde er zum Bürgermeister von Westerland gewählt; 1958 schließlich auch zum Abgeordneten im Kieler Landtag für die Gesamtdeutsche Partei/Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE). Reinefarths politische Aktivitäten rückten seine Vergangenheit in die Öffentlichkeit. Ein DDR-Dokumentarfilm skandalisierte sie und die Nachkriegskarriere Reinefarths. Die Staatsanwaltschaft Flensburg leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein, das unmittelbar nach seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten 1958 eingestellt wurde. Im sich wandelnden vergangenheitspolitischen Klima entwickelte sich der Fall Reinefarth Anfang der 1960er durch die anhaltende mediale Aufmerksamkeit zu einer Belastung für die Landesregierung. Neue Aktenfunde zu den Massakern in Warschau führten 1961 zu einem weiteren Ermittlungsverfahren, das schließlich zum endgültigen Rücktritt Reinefarths von allen politischen Ämtern führte. Für die Verbrechen der ihm in Warschau unterstellten Verbände musste er sich niemals vor einem Gericht verantworten: Die Flensburger Staatsanwaltschaft stellte 1967 die Ermittlungen gegen ihn ein. Heinz Reinefarth starb am 7. Mai 1979, fast auf den Tag genau 34 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, auf Sylt.

In dem Vortrag beleuchtet Andreas Mix, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin, die bemerkenswerten Karrieren Reinefarths in der NS-Zeit und in der Bundesrepublik. Die Biografie wird dabei in den Kontext der Täterforschung und der transnationalen Vergangenheitspolitik eingeordnet, denn Reinefarth steht nicht bloß für einen der zahlreichen „braunen Skandale“ (Der SPIEGEL) in Schleswig-Holstein. Mit ihm verbunden ist auch ein bedeutendes Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungen in der Nachkriegszeit.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem  Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holsteins statt.

Veranstaltungsort: Sylt Museum | Am Kliff 19a | 25980 Sylt / Keitum

Kosten: Eintritt frei. Anmeldung unter Tel. 04651-31669 oder info@soelring-museen.de 

Details

Datum:
1. Juni
Zeit:
19:00 - 20:30
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
Webseite:
www.soelring-museen.de

Veranstalter

Landesbeauftragter für Politische Bildung
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