Tabakpfeife

Tabakpfeife

Tabakpfeife 1900 1200 Sölring Museen Sylt
Tabakspfeife aus dem 19. Jahrhundert

Februar 2018

Es brauchte die großen Entdeckerfahrten auf den amerikanischen Kontinent des 16. Jahrhunderts, um die Kultur des Rauchens nach Europa zu holen. Die indianische Urbevölkerung blickt zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine lange spirituell-kultische Tradition des Tabakkonsums zurück. Die Götter der Maya-Völker frönten diesem Vergnügen – so können wir es zumindest an den Tempelanlagen ablesen. Um 300 nach Christus wurden dort Reliefs eingearbeitet, die den Häuptling mit Pfeife darstellen. Die Pfeife war bei den Indianern Nordamerikas ein wesentlicher Bestandteil des Alltags und als Erfinder und Stifter dieser gilt der „Große Manitou“, der den Ureinwohnern auch gleich die Herstellung und den Umgang mit der Pfeife beigebracht hat.

Das Museumsobjekt des Monats Februar, die Tabakpfeife aus dem 19. Jahrhundert, entstammt der umfangreichen Pfeifensammlung der Sölring Museen und ist im Altfriesischen Haus ausgestellt. Die Sylter haben früher schon diese Kulturtechnik zu schätzen gewusst. Nicht nur der Maler Carl Ludwig Jessen nutzte gerne das Motiv des Friesen, der genüsslich vor oder in seinem Friesengehöft die Pfeife pafft. Auch Theodor Storm kennzeichnet den rauchenden Bewohner und verweist auf die Sitten und Bräuche des alltäglichen Lebens im 19. Jahrhundert. In seiner Novelle „Der Schimmelreiter“ finden sich beispielsweise mehrere Szenen dazu. Eine davon lautet folgend: „Nachdem das Mahl beendet war, wurden die weißen Tonpfeifen aus der Ecke geholt und angebrannt“ Diese vorwiegend holländischen Tonpfeifen besaß jeder Friese. Die ersten Tontabakspfeifen wurden 1585 im englischen Broseley hergestellt und um 1600 begründeten eingewanderte Engländer die Pfeifenindustrie im holländischen Gouda. Die Stadt avancierte mit über 500 Fabriken schnell zum Zentrum des europäischen Pfeifengewerbes. Jeder zweite Einwohner Goudas verdiente um die Mitte des 18. Jahrhunderts in der Pfeifenindustrie seinen Lebensunterhalt. Das Museumsobjekt besteht aber nicht aus dem Flussschlamm der Yssel, sondern aus Meerschaum, einem textilen Gewebe und Holz sowie Metall und Horn. Die Brennkammer des Pfeifenkopfes ist aus Meerschaum und lässt sich mit einem silbernen Scharnierdeckel verschließen. Der gesteckte Pfeifenstiel ist mit geschnitzten Holzreliefs verbunden und nimmt das Mundstück aus Horn auf. Mit 38 cm misst die Pfeife in der Länge eher einen durchschnittlichen Wert. Lange Pfeifenholme bzw. lange Mundstücke haben den Vorteil, dass der Rauch dann kühler ist und somit als angenehmer empfunden wird. 
Doch wann genau kam das Rauchen nach Europa. Der Geschichtsschreibung nach wird dies auf den englischen Kapitän Ralph Lane zurückgeführt, der 1586 in Plymouth an Land ging und mit seinen Matrosen die Pfeifen und den Rauchtabak importierte. Die Kunst des Rauchens wurde fortan perfektioniert. Die Raucher entdecken den Tabak als Genussmittel. Ein Zeitgenosse der ersten Stunde äußerte sich folgend: „Den Genuß zu schildern, den man dabei empfindet, würde ein ganzes Buch füllen.“ Wie wertvoll das „Gold der neuen Welt“ war, zeigt auch, dass der Tabak mehr und mehr zum Zahlungsmitttel avancierte und mehr als nur materielle Güter und Immobilien damit aufgewogen wurden. So tauschten beispielsweise 1620 Siedler in Virginia 150 „ehrbare Frauenzimmer“ gegen Tabak. Dass dieser nicht nur geraucht wurde, sondern auch geschnupft, gekaut und als Medizin eingenommen, ist in der Kunstgeschichte nachzusehen. Stiche, Gemälde und Schriften bezeugen von der Vielfalt im Umgang mit Tabak. Den Frauen war das Rauchen noch länger verwehrt. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts begannen die ersten Frauen in der Öffentlichkeit zu rauchen.
Wie das für die Sylterinnen aussah, als die ganzen Seemänner unterwegs waren, bleibt heute ungeklärt. Pfeifen gab es auf Sylt aber genug. Pfeifen aus Meerschaum, Holz, Horn, Porzellan und Ton in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. Ebenso lässt sich die die klassische Tabakkiste aus Holz vorfinden. Unter Meerschaum wird das Tonmineral Sepiolith erfasst. Da Meerschaum feuerbeständig ist, hat die Pfeife den Vorteil, dass sie nicht abbrennen kann.

Ausschnitt des Gemäldes „Friesisches Gehöft“ von Carl Ludwig Jessen, 1909

Neben den Tonpfeifen wird bis heute die Tabakspfeife auf dem dunkelbraunen Pfeifenbrett im Altfriesischen Haus aufbewahrt. Zum Einsatz kommt sie natürlich nicht mehr. Die Raucherkultur hat sich in den letzten Jahren jedoch in vielerlei Hinsicht gewandelt. So wird inzwischen wortwörtlich gedampft. Die E-Zigarette verdampft die Flüssigkeit und verbrennt keinen Tabak mehr. Eine Sage berichtet vom Hörnumer Tabakkrieg im Jahre 1839. Die Bremer Brigg strandete vor Hörnum. Die Sylter haben dies scheinbar nicht registriert so dass „die Amrumer, wie es ihre Art war, auch sofort mit der Bergung der Tabakladung „ begannen. Zuvor retteten sie noch die Schiffbrüchigen. Wenige Tage später entdeckte man von Morsum aus das geschäftige Treiben der Amrumer und forderte diese vergeblich auf, sich an das Bergungsrecht zu halten. Die Sylter meldeten daraufhin den Vorfall der Regierung und mussten einen weiteren Rückschlag einstecken. Die Amrumer wurden für die Rettung gelobt. Der Rantumer Strandvogt wurde gerügt und abgesetzt, da er die Rettung versäumt hatte. Die Geschichte endet damit, dass die Amrumer den Tabak behalten durften und die Sylter Schaden und Spott hatten. Unerhört!

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